Technik - Benzin E10
Liebe TR-Freunde,

das Thema E 10 erregt zur Zeit die Gemüter und beunruhigt unsere Mitgliedschaft. Bruno, unser Technikvorstand, hat versprochen, in den neuen Sprit (sobald es ihn gibt) einige kritischen Teile einzulegen, um einen Langzeittest zu machen. Zur neuen Saison wird es vielleicht aus dieser Ecke schon bahnbrechende Erkenntnisse aus empirischen Untersuchungen geben. Da es bis zur nächsten Zeitung des Registers noch gut 3 Monate hin sind, hier schon einmal vorab das, was man zu dem Thema bis heute zusammentragen konnte:

Mit besten TR-lichen Grüßen
Detlef Ress
Geschäftsadresse TR-Register Deutschland e.V.
  
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E 10

Das alte Jahr ist noch nicht zu Ende, da berichteten alle Zeitungen über das Benzin, das im neuen Jahr kommen soll. Die FAZ fragte „ist das neue Bio-Benzin E 10 eine ökologische Mogelpackung?“, der ADAC berichtete und andere auch. Allen Berichten gemeinsam ist, dass keiner so richtig weiß, wie es nun weiter geht. Und vor allem – was uns, als TRbesitzer brennend interessiert – welche Zukunft wird E5 haben, mit dem wir bisher eigentlich problemlos fahren konnten? Von einigen unliebsamen Erscheinungen, wie das Zerfressen von Blechtanks, einmal abgesehen.
Es geht im Kern mal wieder um die Umsetzung einer Richtlinie des Europäischen Parlamentes mit der Bezeichnung 2009/30/EG. Die zwingt zum Jahresende 2010 alle Mitgliedsstaaten, Otto-Kraftstoffe mit einer 10%igen Bioethanol-Beimischung auf den Markt zu bringen.
Wir erinnern uns, es ist erst knapp zwei Jahre her, als der ökologische Musterknabe Deutschland im vorauseilenden Gehorsam das E10 Benzin einführen wollte. Sigmar Gabriel, damals Umweltminister, versprach, die Einführung zu stoppen, falls mehr als 1 Mio. Kfz mit dem neuen Biosprit Probleme bekommen sollten. Als sich herausstellte, dass es in der Praxis wohl viel, viel mehr werden, hat er Wort gehalten und das Thema war in der Versenkung verschwunden.
Nun kommt es wieder auf den Tisch. Wohl deshalb, weil es bei den Beamten auf dem Terminkalender steht. Aber – im Moment gibt es keinen direkten Handlungsbedarf, weil die EU-Richtlinie auch vorschreibt, dass das bisherige Benzin mit 5 % Ethanolanteil weitere zwei Jahre, also bis 2013, am Markt bleiben soll. Die ökologische Sache, die übrigens höchst fragwürdig ist, soll uns im Moment nicht interessieren. In Wahrheit handelt es sich vermutlich um eine ökonomisch- politische Frage, die mit der wirtschaftlichen Abhängigkeit vom Öl, zum Beispiel, zusammenhängt.
Was uns weit mehr interessiert, ist die Frage, ob es für alte Autos in Zukunft noch eine Zukunft auf der Straße gibt oder nur noch eine im Museum. Nach all meinen Erfahrungen ist es so, dass die meisten TRbesitzer sowieso mindestens Super Plus oder noch besseres Benzin tanken, wohl aus der Erfahrung wissend, dass ein TR wegen der in der Regel hohen Verdichtung mit normalem Super nicht gut bedient wird. Es gibt Ausnahmen von dieser Regel, aber die sind eher selten.
Die Frage, die uns umtreibt ist also nicht unbedingt die, wie sich ein TR mit E 10 verträgt, sondern die, ob in den qualitativ darüber liegenden Kraftstoffen alles beim Alten bleibt oder ob auch dort mehr beigemischt wird. Zu befürchten ist, dass das Ethanol die Weichmacher aus Kunststoffen und Gummidichtungen herauslöst, sowie die Ventile und Ventilringe wegen des korrosiven Verhaltens des Stoffes angegriffen werden. (so der ZDK – Zentralverband des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes). Ebenfalls alle Teile, die aus Aluminium gefertigt sind, also Vergaser, Ansaugbrücken und vielleicht auch die Kolben.
In dem Artikel der FAZ ist zu diesem Thema wörtlich zu lesen: „… wird stattdessen das bisherige E 5 voraussichtlich nur noch in Super Plus- und Premiumqualität mit 98 und mehr Oktan erhältlich sein, natürlich zu höherem Preis.“ Was uns an dieser Feststellung nicht gefallen kann, ist das Wort „voraussichtlich“, was nichts anderes bedeutet, als dass man Genaueres im Moment nicht weiß. Und so sind auch die Stellungnahmen der Fachorganisationen vom ADAC bis hin zum TÜV sehr vage.
Auf jeden Fall wäre die Bundesregierung gut beraten, wenn die bisherige, unproblematische Benzinsorte E5 noch wesentlich länger als geplant an den Zapfsäulen verfügbar wäre.
Wenn nicht, müssen wir in zwei Jahren wie zu Gottlieb Daimlers Zeiten den Sprit 5literweise in der Apotheke kaufen oder den TR mit einem E-Motor ausrüsten, was in den USA tatsächlich einer gemacht hat. Reichweite 100 Miles – geht doch…
Die andere Alternative ist das Stuttgart 21 Modell. Was lernen wir gerade in diesen Zeiten daraus? Es ist zu spät, erst zu handeln, wenn das Projekt realisiert ist. Unsere Standesvertretungen müssen hier und heute beginnen, die Argumente einzubringen, um diesen Unsinn (man wird ihn nicht verhindern können) so umzulenken, dass jeder damit leben kann. Vielleicht wird es irgendwann einmal eine Zapfsäule geben, die nur von Fahrzeugen mit H-Nummer benutzt werden darf. Als sicher darf heute schon gelten, dass es dort für Euro 1,40 pro Liter keinen Sprit mehr geben wird.
Ein kleiner Trost zum Abschluss: bei den Umweltzonen hat man eine gute Lösung gefunden. Das lässt hoffen, dass es beim E10 auch gut ausgehen wird. Nur wenn die Umfragewerte stimmen und die Republik dunkelgrün wird, gibt es einen guten Grund, schwarz zu sehen.

 

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